Dienstag, 24. März 2015

partielle Sonnenfinsternis - der Zeitraffer

...und der schwere Weg dorthin...

Die partielle Sonnenfinsternis war schon ein spannendes Ereignis. Nicht so cool oder besonders wie eine volle Sonnenfinsternis - aber ich fand es interessant genug, dass ich mir für meine Kameraausrüstung die Sonnenschutzfolie besorgt hatte. 
Aus einer weisen Voraussicht hatte ich mich bereits drei Wochen zuvor (Anfang März) darum gekümmert und hatte somit alles für meinen Eigenbau-Sonnenschutzfilter auf Lager - ich berichtete...


Auch hatte ich mir schon ein paar Tage zuvor die Genehmigung für unsere Terrasse in der Firma geben lassen. So hatte ich einen perfekten freien Blick Richtung Osten und Süden.
Pünktlich um 9:00 Uhr habe ich mich ausgestempelt und habe mich auf der Terrasse eingerichtet. Ausrüstung hatte ich genug dabei...
  • Canon 5D II
  • Canon 7D II mit Batteriegriff und 80GB (64 CF + 16 SD) Speicherkarten verbaut (Leihgabe) 
  • Canon SX230 HS zur Dokumentation
  • Canon 70-200 
  • Tamron 150-600 (Teletammi)
  • Novoflex Triopod mit Manfrotto Getriebeneiger MA 405
  • Sirui 424 Einbeinstativ
  • CamRanger
  • iPad
  • 2x Eigenbau-Sonnenschutzfilter
  • 1x Cokin Z-Pro Filterhalter für das Teletammi
  • Ersatzakkus und so Kleinkram... 

Krass viel Zeugs - und alles im f-stop Loka mit der Pro large ICU. 

Um 9:15 Uhr war alles soweit fertig aufgebaut und nun konnte ich den Zeitraffer programmieren. Ich wählte 2.300 Bilder mit 5 Sekunden Versatz. Am Ende habe ich um 11:56 Uhr den restlichen Plan abgebrochen - verwendet habe ich von den fast 2.000 Bildern dann 1.801 Bilder für den fertigen Film (das wisst jetzt nur ihr Leser - überall sonst habe ich nämlich 1.800 geschrieben ;-) ).

alles fertig aufgebaut - es kann los gehen...


das Teletammi auf der 5D II war auch bereit



meinen Eigenbau-Sonnenschutzfilter habe ich mit Gummis vor dem Objektiv gehalten.

Nachdem ich keine automatische Nachführung habe (noch nicht - so wie ich mich kenne) und der MP-360 "nur" 15 Grad nach oben schwenkt, habe ich meinen Getriebeneiger verwendet. Ich dachte mir, dass ich dann wie bei einer Schreibmaschine, wenn die Sonnenscheibe einen bestimmten Punkt erreicht, ich dann mit dem Getriebeneiger die Position der Sonne wieder "zurückdrehe". Das hat auch alles prima geklappt. Für die Definition der Anfangs- und Endposition habe ich improvisieren müssen. Ich habe mein Handy und meine Stempelkarte als rechte und linke Maximalposition auf das iPad gelegt. Sobald die Sonnenscheibe das Handy erreichte habe ich am Getriebeneiger bis zum Rand der Stempelkarte zurückgedreht. Mit dem Liveview des CamRanger ein Kinderspiel.
 

Als ich dann am Nachmittag Daheim ankam habe ich die Bilder erstmal importiert - das allein dauerte schon eine Weile - Zeit für einen Kaffee (oder auch zwei)...
Nachdem das erledigt war markierte ich manuell die Bilder zwischen denen ich am Getriebeneiger zurückgedreht hatte. Das letzte Bild einer Sequenz bekam zwei Sterne und das erste Bild der neuen Sequenz bekam drei Sterne. Dann habe ich für alle Bilder mit einem Stern einen 1:1 Ausschnitt definiert und die Positionen der Sonnenscheibe zwischen einem Zwei-Sterne-Bild und einem Drei-Sterne-Bild so gewählt, das wenn ich zwischen beiden hin und herschalte, sich die Sonnenscheibe fast nicht bewegt. Leider funktioniert das in Lightroom nicht so gut wie in Photoshop und pixelgenaues Verschieben im Freistellwerkzeug gibt es auch nicht. Deswegen habe ich es so genau wie möglich versucht - besser geht es nicht in Lightroom (heute).




Als ich dann dachte, ich wäre so weit, habe ich LRTimelapse angeworfen und habe die Bilder zwischen meinen Keyframes von der Software berechnen lassen. Dann habe ich die neuen Metadaten gespeichert und in Lightroom diese neu eingelesen. Das was ich sah, machte einen guten Eindruck und ich habe dann die ganzen Bilder für das Video exportieren lassen.
Als das dann fertig war, 1.801 Bilder exportieren dauert echt lang, und kurz darauf auch das Video gerendert war habe ich voller Euphorie den Videoplayer angeworfen um das fertige Video anzuschauen. Nach wenigen Sekunden wusste ich, dass das nichts war - und nach dem zweiten Mal anschauen war mir schwindelig (oder ich war seekrank). Mist was habe ich denn da gemacht?


Nach kurzer Zeit fiel es mir wie Schuppen von den Augen. LRTimelapse verarbeitet die Unterschiede zwischen den Keyframes als Kurve. Schnell mal schauen, ob man das Umstellen kann...

Ich fand dann auch einen Menüeintrag für das lineare Angleichen - dieser arbeitet aber nicht zwischen vielen Keyframes, sondern nur zwischen dem Ersten und dem Letzten. Alle Keyframes dazwischen werden gelöscht bzw. übergangen. Diese Erkenntnis musste ich aber erstmal schmerzlich lernen, denn als ich dann die neuen Metadaten in Lightroom eingelesen hatte, passte keine Sequenz mehr zur anderen. Dafür hatte ich zwischen dem Ersten und dem Letzten Bild einen schönen linearen Verlauf...

Die Lösung dieses Problem war erstmal wieder alle Bilder auf den Stand von zuvor zu bringen. Dann habe ich jede einzelne Sequenz in einen eigenen Unterordner abgelegt und habe dann von LRTimelapse diese Unterordner (sage und schreibe 32 Stück) jeweils einzeln linear angleichen lassen.
So hatte ich dann 32 einzeln angeglichene Sequenzen, die ich dann wieder als Ganzes habe rendern lassen. Auch die zweite Version entsprach nicht ganz meinen Qualitätsvorstellungen, weshalb ich die Keyframes mir nochmals einzeln ganz genau vorgenommen habe. Es gab noch ein paar Übergänge, die waren nicht ganz optimal. Auch habe ich für meinen gewünschten 16:9 Bildausschnitt zu einem Hilfsmittel greifen müssen. Zuerst habe ich das erste Bild mit dem 16:9 Format so beschnitten wie es mir gefällt. Dann habe ich auf meinem zweiten Monitor die Lupe aktiviert und mit PostIt Steifen die Position der Sonnenkugel rechts, links und unten markiert...


...dann habe ich diesen Bildausschnitt auf alle Keyframes synchronisiert und dann jeweils versucht die Sonne innerhalb der Markierungen zu positionieren...




Anschließend wieder die Bilder zwischen den Keyframes von Lightroom linear berechnen lassen, Metadaten in Lightroom einlesen, Bilder exportieren und Video rendern. Auch die dritte Version ist nicht perfekt - aber besser bekomme ich es nicht mit Lightroom hin. Auch fällt mir gerade kein anderer Weg ein, mit dem man das Wackeln abschalten könnt.




Grund für die restliche Bewegung im Bild ist die Tatsache, dass die Sonne auf einer elliptischen Bahn über den Himmel zieht und deswegen auch der lineare Verlauf nicht der perfekte Weg ist, die Bewegungen der Sonne auszugleichen.

Also wie gesagt, das Ganze war eine Herausforderung für mich. Das Video dokumentiert den Mondtransit ganz gut. Aber ich bin mit dem Ergebnis nicht ganz zufrieden. Wenn ich mir die Zeitraffer auf YouTube von anderen Fotografen so anschaue, kann ich da lang nicht mithalten...

Wie habt ihr die partielle Sonnenfinsternis erlebt?