Mittwoch, 11. Februar 2015

automatischer Retroadapter

...Eigenbau...

Die letzten Bilder, von den merkwürdigen Schneeflocken, sind recht gut angekommen. Ich wurde gefragt, wie ich an der 5D II ein EF-S 18-55 adaptieren kann und wie ich eine solche Vergrößerung zusammenbringe. Bereits vor einigen Jahren habe ich mir einen automatischen Retroadapter gebaut der es mir ermöglicht Objektive verkehrt herum an die Kamera anzusetzen. Dieser ermöglicht aber eine elektrische Verbindung zwischen Objektiv und Kamera. Das hat einige Leser meines Blog doch sehr interessiert, sodass ich heute über diesen Adapter schreibe.

Ich habe damals leider keine Bilder vom Baufortschritt gemacht. Das war noch weit vor meiner Bloggerzeit und ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich heute mal darüber schreiben würde. Deswegen verzeiht mir, dass ich euch nichts davon zeigen kann...

Aber wie kam ich überhaupt auf die Idee sowas zu bauen? Nun, da muss ich etwas ausholen...

Wenn einem ein normales Makroobjektiv nicht groß genug vergrößert (max. Abbildungsmaßstab in der Regel bei 1:1) hat man die Möglichkeit mit Zwischenringen oder Nahlinsen einen größeren Abbildungsmaßstab zu erreichen. Sollte das aber immer noch nicht reichen kann man als Canon-User sich das MP-E 65mm Lupenobjektiv anschaffen (Abbildungsmaßstab 1:1 bis 5:1). Dann sind aber auch gleich mal ca. 1.000,- Euro fällig.

Vor Jahren hatte ich den Wunsch in diesen Extremmakro-Bereich vorzudringen, hatte aber nicht die finanzielle Möglichkeit das MP-E 65mm zu kaufen. Auf Traumflieger wurde zu der Zeit von einem Umkehrring berichtet, mit dem es möglich ist, ein Objektiv verkehrt herum an die Kamera zu montieren. So kommt man zum Beispiel mit einem EF-S 18-55 in den Bereich des MP-E 65mm (bis ca. 4:1 mit dem EF-S 18-55).
Ich war sofort begeistert und habe mir den Umkehrring für ein paar Euro kommen lassen.


Wie das Bild zeigt war das im Grunde ein Metallring. Auf der einen Seite mit dem EF-Bajonett und auf der anderen Seite mit einem Filtergewinde. So kann man ein Objektiv mit passendem Filtergewinde verkehrt herum montieren.

Die ersten Tests waren phantastisch und frustrierend zugleich. Die elektrische Verbindung zwischen Kamera und Objektiv ist mit diesem Adapter nicht mehr gegeben, sodass die Blendensteuerung, der Autofokus und auch die EXIF-Übertragung nicht mehr funktionierte (klar, wie auch). Trotzdem war die erreichbare Vergrößerung und auch diese neue Makrowelt total interessant.
Ich suchte nach einer Möglichkeit wenigstens die Blendensteuerung wieder herzustellen. Natürlich gab und gibt es auch dafür eine Lösung. Bei meiner Recherche bin ich auf den Novoflex Adapter gestoßen. Dieser war damals der einzige Retroadapter mit elektrischer Übertragung. Aber die ca. 280,- Euro waren mir dann auch zu viel...


Ich kam auf die Idee, diesen Adapter nachzubauen. Ich brauchte ja "nur" das Bajonett, die Kontakte und ein Spiralkabel.

OK, in diesem Moment war ein Projekt geboren. Ich suchte überall nach den entsprechenden Komponenten und bin dann irgendwann in der Schrottkiste meines Fotohändlers fündig geworden. Ich habe darin ein altes Soligor EF-Zoomobjektiv mit defekten Autofokus für 9,- Euro und eine alte Canon EF Filmkamera für 15,- Euro gefunden. Der Zustand der Beiden spielte ja für mein Vorhaben keine Rolle. Deswegen konnte ich auch defekte Sachen kaufen.
Das benötigte Spiralkabel habe ich in der Wertstoffbörse unseres Wertstoffhofs gefunden. Ein altes Telefon spendete das Hörerkabel.
Für den fertigen Adapter brauchte ich noch ein Filtergewinde auf der einen Seite des Adapters damit das Objektiv verschraubt werden kann. Dieses Gewinde habe ich in einem Filteradapter auf 58mm gefunden. Jetzt hatte ich alle Komponenten und es konnte los gehen...

Zuhause habe ich dann das Objektiv und die Kamera komplett zerlegt. Das Objektiv ging ganz einfach, aber die Kamera hatte schon ein Magnesiumgehäuse. Dieses habe ich dann mit Flex und Dremel so lange bearbeitet, bis nur noch der Bereich um das Bajonett mit den Kontakten übrig war.

So, jetzt lagen die einzelnen Komponenten, die beidseitigen Bajonette, das Spiralkabel und ein Haufen Schrott auf dem Tisch. Von einem befreundeten Elektriker lieh ich mir eine Lötstation und ein Multimeter aus und dann ging es los.

Mir fiel dann beim Verdrahten auf, dass in dem Telefonhörer-Spiralkabel nur vier Litzen waren, das Objektiv aber 8 Kontakte hat. Somit war ich gezwungen zwei Spiralkabel zu verlegen. Schaut etwas merkwürdig aus - aber was solls...
Nachdem alles verkabelt und verlötet war habe ich mit einem Industriekleber alle Kabel fixiert.


Nach dem Trocknen des Klebers habe ich die ersten Tests gemacht und war total Glücklich. Alles funktionierte wie es soll. Mein Eigenbau ist aber optisch eine Katastrophe...!

Einzelteileursprung

Eigenbau-Retroadapter - Kamera- und Objektivanschluss

Verkabelung

Kameraseite mit Filtergewinde 58mm

Canon EF-S 18-55mm an den Adapter verschraubt - Kameraseite

objektivseitig verbunden - bereit für die Kamera

später habe ich noch ein Schutzglas auf der Objektivseite angebracht

Ich denke, heute würde ich keinen mehr selber bauen. Mittlerweile gibt es sauber verarbeitete Adapter für ca. 80-90 Euro. Die machen einen ordentlichen Eindruck und man bekommt noch einen Satz Anpassringe dazu.


Also rein vom Aufwand und von der Schwierigkeit ist ein Eigenbau für jeden machbar. Mein Eigenbau macht was er machen soll, ist aber optisch eine Katastrophe. Es machte total Spaß das zu durchdenken, zu planen und zu bauen. Nachdem er immer noch prima funktioniert, habe ich ja alles richtig gemacht...

Links: