Freitag, 18. Oktober 2013

Fokusstacking

...oder Bilder mit großer Tiefenschärfe...

Was macht man, wenn man ein Bild von einem Objekt machen möchte aber die Tiefenschärfe, auch bei hoher Blendenzahl, nicht ausreicht um das ganze Objekt scharf abzubilden, oder der Hintergrund dann zu dominant werden würde...?

Hmm...

Auch hierfür gibt es eine fotografische Lösung. Man nennt diese "Focusstacking" oder "deep focus fusion".

Am letzen Wochenende wollte ich mich mal wieder mit dieser Tecknik auseinandersetzen. Deswegen habe ich am Sonntag Morgen, direkt nach dem Frühstück, die Fotosachen zusammengepackt und bin in den Wald gefahren um Pilze zu fotografieren.

Ich versuche aber erst einmal die Technik grob zu erklären...

Man macht mehrere Bilder mit jeweils verschobener Schärfeebene. Das geht entweder mithilfe eines Makroschlittens, auf dem die Kamera installiert wurde. Den Schlitten verfährt man nun Schritt für Schritt von Anfang bis Ende der gewünschten Schärfeebene oder man verstellt die Schärfeebene mit dem Fokusring am Objektiv und macht zwischendurch immer wieder ein Bild. Wenn man genau arbeitet und die einzelnen Ebenen sich gut überschneiden, kann man anschließend mit Photoshop oder anderer spezialisierter Software diese einzelnen Fotos zu einem Bild zusammenrechnen lassen. (etwas ausführlicher auf Wikipedia - Artikel wurde am Ende verlinkt.)
Die einzelnen Ebenen - Scheibe für Scheibe je einen Schritt weiter fokussiert.
Sehr komfortabel geht das mit dem CamRanger. Dieser hat in der Software eine Stacking-Funktion integriert. Hier definiert man die Startposition, die Schrittweite (drei Werte möglich) und die Anzahl der Schritte. Nun braucht man nur noch die Software arbeiten lassen.
Making of
Nachdem der CamRanger den Schlitten nicht steuern kann (wie auch...?!) *1) nutzt die Software die Fokusverschiebung. Hierfür muss dann am Objektiv der Autofokus eingeschaltet sein damit die Software den Fokus verschieben kann.

*1) Mittlerweile wurde das System erweitert und kann nun mit dem StackShot zusammenarbeiten. Hiermit kann nun ein motorisierter Makroschlietten (eben der StackShot) über die App angesteuert und ferngesteuert werden.

Hier diverse Ergebnisse dieser Technik.
Pantoffelblumenblüte
Canon 40D, Sigma 150 Makro
24x f 5, 0.4 Sekunde, ISO 100
LEGO Szene von den Kindern gewünscht...
Canon 5D II, Sigma 150 Makro
1:1 Makro - 36x f 5, 0.4 Sekunde, ISO250
Frucht- und Staubblätter einer Hibiskusblüte
Canon 5D II, Sigma 150 Makro + Sigma 2x Teleconverter
2:1 Makro - 38x f 10, 0.8 Sekunde, ISO 100
manuell den Abstand mit dem Makroschlitten verschoben!
Fliegenpilze frontal
Canon 5D II, Sigma 150 Makro
12x f 3.2, 1/4 Sekunde, ISO 100
Fliegenpilze von der Seite
Canon 5D II, Sigma 150 Makro
30x f 3.2, 1/4 Sekunde, ISO 100
Making of
Making of
Zuhause angekommen habe ich die aufgezeichneten Bilderserien in Lightroom importiert und kleinere Anpassungen an Lichter und Farbe vorgenommen. Anschließend habe ich die Bilder nach Helicon Focus, eine spezialisierte Software für diese Art von Fotos, exportiert. Die Software stapelt nun die einzelnen Bilder und wählt aus diesen die jeweilige Schärfeebene.
Je nachdem wie stark der Rechner ist kann bereits nach wenigen Sekunden das gestapelte Bild mit größerer Schärfentiefe betrachtet werden.
Stockschwämmchen - Kuehneromyces mutabilis
Canon 5D II, Sigma 150 Makro
30x f 4.5, 1/5 Sekunde, ISO 100
CamRanger bei der Arbeit.
Aber auch diese Technik ist nicht perfekt. Immer wieder mal bekomme ich in Bilder einen krassen Stackingfehler. Helicon Focus stapelt die Bilder und das fertige Bild zeigt um das scharfe Objekt einen merkwürdigen Unschärferand.
Detail vom Bild "Fliegenpilze von der Seite" - Stackingfehler
Grund hierfür ist, dass unscharfe Objekte im Vordergrund den scharfen Hintergrund verdecken und somit an diesen Stellen keine scharfen Strukturen im Hintergrund vorhanden sind. Wenn man nun denkt, dass man halt den Hintergrund nimmt, wenn der Vordergrund scharf ist muss man bedenken, dass zu diesem Zeitpunkt der Hintergrund noch unscharf ist.

Ich denke, nachdem der Fehler nicht in jedem Bild auftritt, liegt es an der Art wie man die Bilder erstellt. Mit einer kleineren Blende wäre der Hintergrund nicht so weichgezeichnet und man könnte diesen besser überblenden. Nachteil wäre dann aber auch, dass man dann mehr von der Umgebung scharfzeichnet.

Ich werde diesem Thema noch ein paar Mal nachgehen und versuchen das gleiche Objekt mit unterschiedlichen Einstellungen zu fotografieren. Eventuell finde ich dann bessere Blendenwerte für solche Motive.

Links: