Freitag, 2. August 2013

aus der Fototasche - Stativköpfe

...nicht den Kopf verlieren...

Stativköpfe gibt es so viele wie Sand am Meer. Nur welcher passt zu mir und meinen Anforderungen? Das ist eine Frage die mich lange beschäftigt hat.

Mein erstes Stativ, welches ich vor vielen Jahren gekauft habe, hatte einen verbauten 3-Wege-Neiger der mit einer Wechselplatte ganz brauchbar war. Mit der damaligen Canon G2 hatte es ja auch nicht schwer zu tragen...
Als ich dann mit der DSLR-Fotografie begann musste natürlich auch ein stabiles Stativ mit einem kräftigen Kopf her. Aufgrund der diversen Bewertungen im Internet entschied ich mich für ein Manfrotto 055 X Pro-B mit einem Triopo B3 Kugelkopf. Dieser Kugelkopf hatte alles was ich wollte. Friktion, Panoramaebene und ACRA-Schnellwechselplatte. Für einen Preis von ca. 150,- Euro nicht billig aber weitaus günstiger als manch anderer.
Triopo B-3 auf umgebauten Manfrotto 055 X Pro-B

Über die Jahre der Benutzung zeigten sich aber doch Eigenschaften die mich dann störten.
  1. Ist die Feststellschraube und die Friktionsschraube fast gleich groß. Oftmals wusste ich nicht welche ich gerade bediente. Deswegen wurden dann immer beide festgeschraubt was den Vorteil einer Friktion komplett aufgehoben hat.
  2. Die Schmierung der Panoramaebene ist aus dieser herausgequollen und hat mir oftmals schmierige Finger beschert.
  3. Einer der Drehknopfdeckel ist irgendwann abgefallen. Natürlich ist es mir in diesem Moment nicht aufgefallen sodass dieser dann weg war.
  4. Das Nachsacken hat sich über die Jahre der Nutzung verschlechtert, sodass bei der Makrofotografie die Bildausschnittseinstellung zu einem Geduldspiel wurde.
Also habe ich mir 2012 wieder Gedanken über einen neuen Stativkopf gemacht. Zur Auswahl standen diese Kugelköpfe:
  • NOVOFLEX Classic Ball 5 oder Classic Ball 3 (Classic Ball = CB)
  • ACRA Z1
...und diese Getriebeneiger:
  • Manfrotto Getriebeneiger 410
  • Manfrotto Getriebeneiger 405 Pro-Digital
"Warum Getriebeneiger?" werdet ihr euch jetzt fragen. Nun ja, ich fotografiere nunmal recht gern und viel Makromotive. Hier ist die Ausrichtung immer recht schwierig und das Nachsacken der Kugelköpfe hat mich bei meinem so sehr geärgert, dass ich auch was anderes als Kugelköpfe ausprobieren wollte.

Hier mal meine Pro/Kontra Überlegungen zu jedem System...

Kugelkopf (Novoflex):
+ Novoflexsystem habe ich bereits im Einsatz und gute Erfahrungen gesammelt
+ Kugelkopf mit sehr durchdachter Entwicklung (Hebel/Drehring/Drehrad)
+ Made in Germany und sehr hohe Fertigungsqualität
+ beide Versionen halten alle meine Objektive (Gewicht)
- CB5 eventuell zu schwer für mein Gitzo Explorer G2220 - eventuell Kopflastig oder auch überdimensioniert
- der CB3 würde wahrscheinlich vollkommen reichen
- in der Makrofotografie verstellt man nicht nur eine Ebene sondern immer alle Ebenen.


Getriebeneiger:
+ jede Achse kann separat eingestellt werden
+ beide Versionen reichen vom Auflagegewicht vollkommen aus
- Manfrotto´s Schnellwechseleinheit fest verbaut und nicht mit Novoflex kompatibel - somit zusätzlich eine Adapterplatte
- der obige Vorteil, die Achsen separat zu steuern, kann auch zum Nachteil werden, wenn man "nicht Makro" fotografiert.


Ein Fotofreund hatte den Novoflex CB5 seit Jahren in Gebrauch und war damit sehr zufrieden. Auch hatte ich bis dahin schon viele Novoflex Wechselplatten an meinen Objektiven im Einsatz und zusätzlich mit dem Makroschlitten von Novoflex sehr gute Erfahrungen gesammelt. 
Ich habe dann im Makro-Forum ein Angebot gefunden in dem der CB5 gebraucht verkauft wurde. Nachdem das Angebot gepasst hat, habe ich für einen wenig genutzten CB5 nur noch 280,- Euro inkl. Versand gezahlt.

So, jetzt hatte ich schon einmal einen neuen Kugelkopf. Der Getriebeneiger hatte mich aber nicht losgelassen, sodass ich mir von AMAZON einen Manfrotto Getriebeneiger 405 Pro-Digital kommen lies.
Bereits zwei Tage später stand der Postler mit ein riesen Paket vor der Tür. Anfangs habe ich noch darüber gelästert, warum AMAZON für einen Getriebeneiger so ein RIESEN Paket versendet - nachdem ich das Paket dann auf gemacht habe habe ich meine Meinung geändert und MANFROTTO die Schuld gegeben warum die eine so große Umverpackung drumherum machen - so nach dem Motto "Große Verpackung rechtfertigt den hohen Preis" (wie bei LEGO).

Nun ja - was soll ich sagen - anschließend habe ich das MANFROTTO Paket auf gemacht und bin in dem Moment fast ohnmächtig geworden. MAN IST DAS TEIL GROß!!!!!

Ich habe dann alle meine vorher ausgesprochenen Triaden wieder zurück genommen und habe nur noch dieses RIESEN TEIL angestarrt...
Manfrotto Getriebeneiger 405 auf Berlebach Mini mit Novoflex Makroschlitten

Jetzt hatte ich beide Systeme da. Nun konnte getestet werden welches für mich das Beste ist.

Ich mache es kurz - ich habe noch beide in meiner Tasche.

Warum?
Nun ja, der Novoflex läuft sehr weich und lässt sich durch sein System recht gut auf unterschiedliche Kamera-/Objektivkombinationen einstellen. Dieses Hebel/Drehring/Drehrad handlig ist intuitiv. Man kann sich nicht "verschalten"...!
Der Getriebeneiger ist ein Traum für Makros. Mit jeder Kamera-/Objektivkombinationen kann man jede Ebene einzeln verdrehen und die für sich perfekte Ausrichtung bestimmen. OK, es dauert länger. Aber bei der Makrofotografie geht es mir nicht um Schnelligkeit, da möchte ich entspannen und Spaß haben.

Ich schraube nun je nach Anforderungen den passenden Kopf auf das Stativ.

Fazit:
Das ist nun nicht das Allheilmittel immer mehrere Köpfe zu kaufen. Aber für meine einerseits spezielle Anforderung bei Makros und andererseits die schnelle flexible Einstellmöglichkeit bei nicht-Makos mit dem Kugelkopf ist für mich eine runde Sache. Aber am Ende muss das jeder für sich selbst und seinen Geldbeutel entscheiden.